1940 eilig beschlossen

Polen verloren, Nordeuropa, Benelux, Frankreich in Hitlers Hand, Mussolini im Krieg. Ginge es nun auch gegen die umzingelte Schweiz und Liechtenstein? Guisan verkündete die Réduit-Alpenfestung. Mit patriotischer Inbrunst wurde der 1. August 1940 in der Schweiz begangen. Der Funken zündete auch im Fürstentum. Gleich am 5. August erklärte die liechtensteinische Regierung «den 15. August, Maria Himmelfahrt, zur Feier des Geburtstages Seiner Durchlaucht des Landesfürsten zum Staatsfeiertag». Der Termin passte: Marienfeiertag am 15., Geburtstag Fürst Franz Josefs II. am 16. August. Gefeiert wurde dezentral in den Gemeinden, mit Morgenböllern, Hochämtern, Platzkonzerten, Bewirtung der Schulkinder und Vereine. In Vaduz wohnten Fürst und Regierung dem Gottesdienst bei, dann hörte der Fürst vom Balkon des Hohen Hauses Ständchen, Bürgermeister- Ansprache und Volkshymne. Abends entzündeten Pfadfinder Höhenfeuer und in Flammenschrift «Liechtenstein». Am 16. August gab es in Vaduz erneut einen Festgottesdienst, danach eine hundertköpfige Gratulationscour auf dem Schloss, mit Regierung, Abgeordneten, Beamten, Gemeindevertretern, Lehrern. Predigten und Reden beschworen die Hoffnung, die Heimat bleibe erhalten.

Signal nach aussen und innen

Der Staatsfeiertag, in der Gefahr geboren, baute religiös auf Maria und politisch auf Fürst und Volk, als Signal nach aussen – und innen. Denn die «Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein», die für Liechtenstein keine Zukunft sah, wollte den Reichs- Anschluss. Sie setzte im Sommer 1940 mit Hakenkreuz und Hitlergruss auf deutschen Sieg. Sie provozierte auch am ersten Staatsfeiertag – abends um 9 Uhr brannte in Triesen oberhalb des Meierhofs ein acht Meter grosses Hakenkreuz, eine Stunde später eines unter Planken. Fortan wurde der 15. August patriotisch als Staatsfeiertag begangen, bald zentral in Vaduz mit Feuerwerk. Zwar wartete man beim zweiten Mal am 15. August 1941 vergeblich auf den Fürsten – er brach sich bei der Herfahrt von Wien bei einem Unfall den Arm. Den Staatsfeiertag nannte man zumeist «Fürstenfest». Anders der nationalsozialistische «Umbruch»: Er ignorierte Fürst und Staatsfeiertag, bejubelte dafür am 20. April den «Führergeburtstag».

Gottesdienst, Volksfest, Höhenfeuer, Fürstenkrone …

Die Pfadfinder hatten schon 1939 am 15. August auf Gafadura eine weithin leuchtende Fürstenkrone entzündet. 1942 nahmen sie diese wieder auf, nun auf dem Kuhgrat, später auf Tuass. 1943 wurden in Triesenberg am 16. August Zwillinge auf die Vornamen von Fürst und Fürstin getauft: Franz Josef Arnold Eberle und Georgina Rosa Eberle. Zum jährlichen Brauch geworden sind bis heute Gottesdienst, Ansprachen, Schlosswiesen-Empfang, Volksfest, Fürstensteig-Fackelzug, Tuasskrone und grosses Feuerwerk, das traditionell mit dem Schriftzug «Gott Fürst Vaterland» schliesst. Der Staatsfeiertag, das «Fürstenfest», jährlich grösstes sommerliches Volksfest des Landes, vermittelt das Bewusstsein friedlicher Gemeinschaft, verweist auf liechtensteinische Identität, erinnert an die Wurzeln in der Zeit der Gefahr. Heute ist der Staatsfeiertag nicht mehr mit dem Fürstengeburtstag gekoppelt. Nach dem Tod von Fürst Franz Josef und Fürstin Gina 1989 hat sein Sohn Fürst Hans-Adam II. (geboren am 14. Februar 1945) empfohlen, den Staatsfeiertag weiterhin beim 15. August zu belassen. So ist es, seit 1990 auch gesetzlich fixiert, bis heute geblieben. Seit mehr als 75 Jahren. Ein besonderes Jubiläum mit einer besonderen Entstehungsgeschichte.